Deutschlandfahne vor der Schule – Kommt jetzt der Flaggenappell?

30. November 2019  Allgemein

„Schüler und Schülerinnen … still gestanden! … Zum Aufheissen der Flagge … die Augen links!“ Fanfarenstoß, und rasselnd geht die Fahne in der Nut am Edelstahlmasten hoch, bauscht sich das Tuch im kalten Morgenwind.

Was jetzt hier martialisch unwirklich wirkt, in den USA ist eine solche Szene auf den Schulhöfen insbesondere auf dem Land, verbunden mit dem feierlichen Eid auf die Verfassung, allmorgendliche Praxis. Vielleicht haben die Jungs von der Schüler-Union Baden-Württembergs auch gerade daran gedacht, so im Sinne einer einprägsamen „Aufwertung“, als sie die dauerhafte Beflaggung der Schulen in ganz Deutschland mit Schwarz-Rot-Gold, der blauen Europaflagge mit dem goldenen Sternenrund und des jeweiligen Bundeslandes einforderten.

Schließlich, einfach die drei Flaggen am Morgen vom Hausmeister in seinem grauen Arbeitskittel rauf und am Abend die vom mittäglichen Regenschauer klammnassen oder von der Sommerhitze knackig steifen Tücher wieder von demselben Hausmeister in demselbigen grauen Arbeitskittel wieder runter geholt, das geht doch nicht, mögen die armen Tücher, wie auch ein jedes seiner Artgenossenen überall in unseren Landen, vom langen und dauerhaften Hängen langsam schattierend grau verbleichen und unansehnlich in Fetzen gehen.

Aber jetzt mal grundsätzlich doch die Frage gestellt, gar mancher hat sich an diesem Donnerstagmorgen beim Hören der Nachrichten die Augen etwas gerieben und die Lauscher spitzer gestellt als sonst, wenn etwa Donald Trump wieder einmal eine neue Schimpftirade auf neuzeitliche Hexenjäger vom Stapel gelassen hat, was ist los, gibt es nicht etwas Wichtigeres in unseren Landen, als über künftige Pflichtbeflaggungen vor der Schulpforte machzudenken?

„Das soll das Nationalbewusstsein stärken“, tönte es lautstark vom Landesvorsitzenden der Schüler-Union, Adrian Klant, am Vorabend des Bundesparteitages der CDU, „und es dient der Verbundenheit mit anderen Nationen der EU!“

Damit nicht etwa Rechts und Rechtsradikal sich des Symbols allein schon von Schwarz-Rot-Gold bemächtige, so brachten es die Nachrichten noch dazu.

Nun, zu letzterem herrscht schon einmal Zwiespaltigkeit, hatte doch genau die große Mutter der Schüler-Union, die CDU, gerade wiederholt mit einer Partei, die mit ihrer blauen Flagge mit dem dunkelroten Strich unten inzwischen nicht nur „rechtsradikal“, sondern Mitglieder sogar als „Faschisten“ bezeichnet werden dürfen, „harmonische Zusammenarbeit“ vereinbaren wollen. Könnte doch ernsthaft unterstellt werden, dass die Symbole der Flaggen nicht von Rechts und Rechtsradikal erst vereinnahmt werden müssen.

Aber das wird, losgelöst von derlei ketzerischen Gedanken, schon spannend, wenn mit oder ohne vorher- und nachgehenden paramilitärischer Martialik die weit wehenden Fahnen sich den „vielen Herausforderungen an den Schulen“ stellen sollen, wie es die CDU-Kultusministerin Baden-Württembergs Susanne Eisenmann sehr skeptisch formulierte. Wie etwa schal stark sanierungsbedürftig feuchtklamme Schulgemäuer, kaputte Toiletten, unbrauchbare Chemie- und Physiksäle, Bruchbuden von Sporthallen, eiskalt verbleibende Heizungen und schlussendlich fehlende Tagesaufenthaltsräume. Unterrichtsausfall wie noch nie, Lehrer fehlen, daraus folgender Aufgabenüberforderung. Was SPD und FDP im Landtag in seltener Einigkeit bestätigen.

Oder halt doch, wie es der SPD-Landesvorsitzende Andreas Storch im SWR bezeichnete, eine „Stilblüte“ eben, oder einen „billigen Trick“, das Symbol nur, um Wähler von der AfD zurückzugewinnen.

v.i.S.P. Joerg-Uwe Sanio, Sprecher DIE LINKE – Kreisverband Lörrach


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