Mehr Toleranz im Umgang mit sexueller Vielfalt

11. Januar 2014  Allgemein, Meldungen

Ein Plädoyer gegen die homophobe Haltung der Landeskirchen Baden-Württemberg (von Matteo Di Prima, Schriftführer beim OV Lörrach-Weil am Rhein):

Die Kirchen in Baden-Württemberg wehren sich gegen die Aufklärung über Homosexualität und sexueller Vielfalt im Schulunterricht. Das geht aus einem Artikel der ZEIT Online hervor, nach welchem die zwei evangelischen Landeskirchen und die zwei katholischen Diözesen in einer gemeinsamen Mitteilung forderten, dass in der Bildung „jede Form der Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gewehrt werden müsse. Dies gelte nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe“.

Die Standpunkte der baden-württembergischen Landeskirchen sind skandalös und wirken diffamierend gegenüber Homosexuellen. Sie sind nicht nur falsch, sondern auch im höchsten Maße antiquiert und menschenverachtend. Im Artikel der ZEIT Online werden die Kirchen etwa zitiert mit: „Kinder und Jugendliche dürften bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht beeinflusst werden“. Dieser Satz impliziert das Vorhandensein eines „mate-copying“-Syndroms, nach welchem Kinder und Jugendliche sich durch die Beschäftigung mit dem Thema Homosexualität, für diese entscheiden könnten. Dem liegt allein schon der logische Fehler zugrunde, dass die eigene sexuelle Ausrichtung einen Entscheidungsprozess voraussetzt. Die Kirche stellt Homosexualität somit als ein exogenes sozialpsychologisches Phänomen dar, was meilenweit an der Wirklichkeit und dem modernen gesellschaftlichen Wandel vorbeigeht. Das Einbeziehen von Homosexualität, und insgesamt von sexueller Vielfalt im Schulunterricht ist vielmehr eine notwendige Maßnahme zur Etablierung von Toleranz in unserer Gesellschaft. Schließlich kann Toleranz in der Gesellschaft nur funktionieren, wenn bereits im Schulalltag tolerante Umgangsweisen vermittelt werden.

Es wird endlich Zeit, dass Homo-, Trans- und Heterosexualität in der Gesellschaft als gleichwertige sexuelle Ausrichtungen anerkannt werden. Und dies darf nicht nur im öffentlichen Diskurs stattfinden. Denn der öffentliche Diskurs stellt auf einen Meinungsaustausch ab, welcher beim Thema Homosexualität weder notwendig noch sinnvoll wäre, da die sexuelle Ausrichtung eines Menschen nicht Gegenstand einer Meinung sein kann. Vielmehr sollte es das Ziel einer aufgeschlossenen, modernen und toleranten Gesellschaft sein, ein Selbstverständnis für die sexuelle Vielfalt zu entwickeln, welches einer argumentativen Diskussion entzogen bleiben muss. Ebenso wird schließlich die Menschenwürde nicht dialektisch diskutiert. Gleiches muss für die sexuelle Orientierung gelten. In diesem Zusammenhang verkennt die Kirche eben dieses Selbstverständnis, in dem sie ausführt: „Was in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers ist, muss nach Überzeugungen der Kirchen auch in Bildungsprozessen kontrovers dargestellt werden“. Homosexualität stellt jedoch eben keine Meinungsäußerung dar, sondern einen menschlichen Zustand. Kontroverse Diskurse dagegen setzen immer ein Infrage stellen bestimmter Positionen voraus. Die sexuelle Ausrichtung einer Person kann jedoch nicht in Frage gestellt werden, sondern ist fester Bestandteil seines Lebens und Erlebens im täglichen Sein mit Sich selbst und seiner Umwelt. Das Infrage stellen seiner sexuellen Ausrichtung verdinglicht den Menschen dagegen als bloßes Diskussionsobjekt und entwürdigt ihn damit. Die Kirche beweist mit ihrer Position nur, wie antiquiert und menschenfremd sie doch ist.

Nun ist jedoch die Landesregierung gefordert, den Bildungsplan 2015, in welchem sexuelle Vielfalt Gegenstand des Schulunterrichts werden soll, zügig auf den Weg zu bringen. Die SPD und Grünen dürfen sich nun nicht von der Kirche und der konservativen Opposition abbringen lassen, ihr Gesetzesvorhaben durch den Landtag zu bringen.

Für uns als LINKE gilt auf jeden Fall ein klares JA zu sexueller Vielfalt und Toleranz! An diesen Grundwerten muss man aber arbeiten und die Schule bietet hierfür die perfekte Institution, an welcher gesellschaftliche Werte vermittelt werden können und müssen.

Quelle: DIE ZEIT ONLINE: „Kirchen wehren sich gegen Homosexualität auf dem Lehrplan


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