GEZ – Gebühr wofür?

11. Februar 2013  Allgemein, Meldungen

Von Tom Grein, Sprecher und Kandidat der LINKEN im Wahlkreis Lörrach – Müllheim:

Tom GreinGEZ – Gebühr wofür?

Rundfunkgebühren könnten das per Lastschriftverfahren gegebene Versprechen  für Qualität, Kultur und einigermaßen angewandte Neutralität sein.

Die Realität sieht anders aus. Wir haben eine Art Privatfernsehen finanziert von der öffentlichen Hand auf Basis der Programmkultur der privaten TV Stationen. Prominente turnen und kaspern dort durchs Programm und Boulevardkonzepte bedienen eine Kultur, in der die operative Brustvergrößerung eines C-Starlets mehr bedeutet als geplante Kürzungen im Sozialwesen. Natürlich wird das öffentlich rechtliche Fernsehen nicht verantwortlich gemacht für das Absinken des allgemeinen Niveaus. Aber es wäre sein Auftrag gewesen, dagegenzuhalten. Und ob „Großstadtrevier“ und „Forsthaus Falkenau“  die geeigneten Mittel sind steht zu bezweifeln.  Außer Zweifel  steht, dass oft der parteipolitische Proporz missachtet wird. Es ist augenfällig, dass insbesondere kleinere Parteien aus dem linken Spektrum oft keine Erwähnung finden wenn es darum geht Leistungen zu würdigen, sich aber im Rampenlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit finden, wenn ein Partei- und Fraktionsvorsitzender mit 20 Jahre alten Vorwürfen diffamiert werden soll.

Man kann mit einigem Zynismus noch den Politiktalk als Erfindung der öffentlich rechtlichen bezeichnen. Diese Sparte medialer Monotonie hat man zu einer Form von dadaistischer Kleinkunst gemacht, in der zusammenhanglos gestammelt und wirr gestottert wird, bis die endgültige Desorientierung den Zuschauer ins Bett treibt.

Der  Bildungsauftrag per öffentlich rechtliches Fernsehen hätte sich bewähren können, wäre er eine Versicherung gegen die Durchseichtung  gewesen. Hätte man nicht begonnen auch hier die Betriebswirtschaftslehre einzubauen, Rankings zu erstellen, Quoten zu messen und Publikumssegmente zu analysieren. Rundfunkgebühren sollten die Freiheit gewährleisten, die unter dem Druck der Quoten verlorenging.

Wenn Rundfunkabgaben nur die Gewähr für relative Werbepausenfreiheit sind, dann ist das zu wenig. Dann ist das ein Missbrauch der eigentlichen Funktion. Rundfunkgebühren und der damit verbundene kulturelle Auftrag, wie auch der Einzug der Kirchensteuer durch den Staat, sind Relikte aus einer Zeit als man sich die Zukunft der Menschheit anders vorgestellt hat, als sie nun eingetreten ist. Aus einer Zeit, als die Dinge noch überschaubar schienen. Einer Zeit,  durch die wir uns, verglichen mit heute, im Schneckentempo bewegten.  Zu Grundgesetzväter  Zeiten, las man morgens die Tageszeitung und  ein paar Jahre später sah man abends die Tagesschau dazu. Heute sind die Körper der erschossenen Geiseln noch nicht kalt, da wird schon über sie getwittert und dutzende Abwasserkanäle der Informationsgesellschaft öffnen sich um die Sensationen unter das Volk zu spritzen.

Die öffentlich rechtlichen Sender unterscheiden sich weder qualitativ, von Informationsgehalt-und Vielfalt, noch von der Aufmachung her von allen anderen TV Stationen. Sie waren nicht dazu in der Lage ihrem Auftrag in der kunterbunten Konsumwelt nachzukommen. Zeit, diesen alten Zopf abzuschneiden. Seriöse Information, wird in der Zukunft anders aussehen.


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